Zusammengerechnet mit der Busfahrt 2013 von Boston nach Philadelphia zählt die Busfahrt von Kuala Lumpur nach Singapur locker zu den schlimmsten Busfahrten meines Lebens. Die Klimaanlage auf minus 800 Grad und los geht die lustige Nachtfahrt. Ohne ein Auge zu schließen bibberte ich vor mich hin, der entzündete Fuß immer weiter am anschwellen und bisschen Panik in mir, ob das alles so klappt wie ich mir das vorgestellt habe. Als einziger Tourist kam ich früh morgens um halb 9 an einem Sonntag in Singapur City an. Mit kambodschanischen Dollar im Gepäck und keinem ATM weit und breit hätte ich nicht mal ein Taxi bezahlen können- ohne Moos nix los!
Coolerweise war auch keine Menschenseele weit und breit zu sehen, anscheinend zu früh für die Menschen in Singapur und Sonntags halt, also krüppelte ich mich voran und musste wohl oder übel mit gesamten Gepäck zu dem Hostel latschen, was circa eine Stunde dauerte. Ohne Internet auf dem Handy versuchte ich mich an einer vorher als Screenshot gespeicherten Karte zu orientieren und traf irgendwann auf einen Geldautomaten, um dann herauszufinden, dass meine EC-Karte nicht mehr funktionierte und ich den Pin für die Kreditkarte nicht hatte. Also weiterlaufen mit dickem Fuß, kompletten Backpackergepäck durch die schwülen Straßen einer Stadt die so anders als der Rest von Asien zu sein scheint, da man hier vom Boden essen könnte, so sauber ist es.
Glücklicherweise fand ich das Hostel (City Backpackers) tatsächlich irgendwann und konnte noch in ein 6er-Zimmer einchecken, das pro Nacht genauso viel kostete wie ein ganzer Tag mit Essen und Ausflügen in Kambodscha. Da ich leider zu spät gebucht hatte, hätte man sonst wahrscheinlich schon ein preiswerteres Hostel bekommen können. Mehr Tod als lebendig hab ich mich erstmal frisch und Ausgehschick gemacht und hab mich dann auf den Weg zum Botanic Garden gemacht, der eines der Highlights in Singapur darstellt. Als Tipp für Alleinreisende kann ich nur sagen, ist Singapur nun nicht der typische Backpackerort. Der Stadtstaat ist extrem teuer, wenn nicht sogar zum Teil teurer als Deutschland. Singapur ist ein sehr reiches Land, voller Regeln (Kaugummi auf den Boden spucken wird hoch bestraft und Drogen bedeuten die Todesstrafe) und wirkte auf mich sehr elitär (wenn man sich in den typischen Touristenzonen aufhält). Singapur ist für einen kurzen Städtetrip absolut zu empfehlen, 3-4 Tage kann man verbringen und sich die tollsten Highlights anschauen, inklusive hardcore Shopping in den zig Malls, die es hier gibt.

Wenn man eine Tagestour macht und oft die U-Bahn benutzt, welche super vernetzt ist, empfehle ich schon ein Tagesticket zu kaufen. Der botanische Garten befindet sich etwas außerhalb und ist mit keinem Park zu vergleichen, den ich bisher gesehen habe. Der Eintritt ist umsonst und hier zeigt sich die Ausgeburt des Perfektionismus der Menschen und wo das ganze Geld wirklich steckt in voller Pracht.
Wirklich bis ins kleinste Detail sind hier die Pflanzen auch bis in den letzten Hinterhof und auch weit ab von den Gehwegen in irgendwelchen Randecken dekoriert und angeordnet, als ob ja mal ein Eichhörnchen zufällig vorbeikommen könnte und sich wenigstens das dann an dem Anblick erfreuen könnte. Völlig übertrieben, aber extrem beeindruckend, Bäume, Blumen und Pflanzen aus der ganzen Welt sind in verschiedenen Parkwelten angelegt, wie zB eine Dschungelwelt, Urzeitwelt (in der die Evolution der Pflanzenwelt dargestellt wird).
Es gibt auch einen Orchideenpark, der allerdings um die 5$ Eintritt kostet, jedoch als der größte der Welt gilt. Doch auch der lohnt sich, natürlich sind überall, um den Vorlieben der Asiaten gerecht zu werden, kleine Selfiespots markiert und generell sowieso im Park sind alle Pflanzen liebevoll mit kleinen Schildchen zur Herkunft versehen. Ein Paradies für den Botaniker also! Der Park ist insgesamt riesig und man kann sich locker verlaufen, aber empfehle ich jedem das Ganze mal bestaunen zu gehen!

Am Abend habe ich mal in die Mall beim Clark Quay vorbeigeschaut, nicht besonderes, aber unten gibt es einen Food Court, wo es alle möglichen Essenstände gibt und den empfehle ich sehr, da habe ich bei einem Mexikaner etwas probiert, was nicht von dieser Welt war! Man kann natürlich auch zum Shoppen auf deinen Hauptstraße Orchard Road vorbeischauen, wo sich unlogischerweise eine Mall an die andere reiht, meist nur mit Luxusmarken bestückt, aber nett zum Ansehen.

Da mein Fuß immer dicker und dicker wurde und ich nur noch in Flip Flops annähernd schmerzlos laufen konnte, suchte ich mir über die App „Citymaps 2go“, die ich jedem Reisenden nur allzu sehr ans Herz lege das nächstbeste Krankenhaus. Die App ermöglicht es einem aus jeder größeren Stadt einen Stadtplan aufs Handy zu downloaden, in dem die wichtigsten Standorte markiert sind und man diese vor Allem auch offline benutzen kann. Später fand ich heraus, dass dieses Krankenhaus ein VIP Krankenhaus war und das Antibiotika für meinen entzündeten Sandstich ca 150€ kostete…lang lebe die Auslandsversicherung!
Am nächsten Morgen konnte ich einfach nicht anders und musste wieder loslaufen, einfach ungünstig, wenn man was am Fuß hat und die Stadt aber von einem verlangt zu laufen, um sich die Dinge anzusehen. Ich wollte noch so viel sehen! Die dümmste Entscheidung ever, wie ich dann später herausfinden sollte. Zudem machte auch noch mein Laptop schlapp und meine Speicherkarte für die Kamera war voll, sodass ich von nun an nur noch mit meinem Handy Bilder machen konnte, da ich ja keinen Zwischenspeicher mehr für meine Kamerabilder hatte. Deshalb habe ich kaum noch Fotos von Singapur, da der Großteil leider irgendwie verschollen ist…Ich wollte unbedingt nach Little India, was sich damals durch viele Einwanderer gebildet hatte und wo es noch original indisch hergehen sollte, ganz im Kontrast zu dem cleanen Hochhäuserfassaden der restlichen Stadt. Also auf dorthin! Little India kann man sich aufjedenfall auch anschauen, echt lustig, dass hier nur Inder unterwegs sind, ein bunter Tempel zum Anschauen bereit steht, generell viele bunte Häuser und viele kleine Lädchen die circa alle das gleiche verkaufen.

Eine Mall musste ich mir hier in Klein-Indien geben, und zwar wird da die Mustafa-Mall empfohlen, in der es alles zu kaufen gibt, was sich ein Mensch nur vorstellen kann-von Kleidung über Lebensmittel, über seltsame Kosmetik und Kräuterprodukte und das bis oben hin zugestopft. Die Lebensmitteletage fand ich besonders spannend, da es hier Lebensmittel gab, die ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen habe.- super geil! Hier musste ich einen Reistopf mitnehmen, den ich schon im Kloster in Thailand so schön fand, der aber natürlich nicht in meinen kleinen Rucksack passte und somit den restlichen Tag wild an mir herumbaumelte, während mein Fuß immer fetter und roter wurde. Ja ich hätte ihn wohl hochlegen müssen und nicht zu viel belasten, aber nein Enna ging gleich zum nächsten Hotspot, der für Singapur empfohlen wird! Und zwar ist das der Food Court Lau Sa Pat, wo sich umzingelt von riesigen Hochhäusern des Finance Districts ein kleiner Pavillon befindet, in dem man jegliche asiatische Speisen zu relativ günstigen Preisen bekommen kann.

Hier habe ich mich so westlich gefühlt, dass ich mich zurück in mein Auslandssemester nach New York versetzt gefühlt hab, da selbst die Taxen hier gelb sind! Mit meinem Fuß ging generell gar nix mehr und ich konnte nur noch humpeln und der Fuß schwoll in der Hitze ganz nah am Äquator immer mehr an.
Ich wollte immer noch nicht aufgeben und zur Helix Brücke und von da aus zu einem berühmten Platz mit der sogenannten Raffles Statue, welchen ich aber nicht so empfehlen kann, war nun nicht so sehenswert und bin dann doch nur wieder in einer Mall zum Shoppen gelandet.

Eigentlich habe ich bis zum Einbruch der Dunkelheit gewartet, da um 20 Uhr die Lasershow des weltberühmten Marina Bay Sands Hotels, wo es diesen einen famen Infinitypool gibt, starten sollte und wurde als ich um eine Kurve humpelte von dem Look der beleuchteten Skyline überwältigt- so was Schönes!

Die Lasershow kann ich auch empfehlen und ist ebenfalls umsonst, ich hätte mir noch gerne die Super Trees angeschaut, die nachts leuchten und Strom produzieren, aber mein Fuß hat es einfach nicht mehr mitgemacht und somit musste ich aufgeben und ins Hostel zurück.


Mein Fuß sah so ekelhaft fett aus, dass mir zwei Mädels mit schockierten Augen freiwillig halfen mein Gepäck von unten zu holen, da ich in ein preiswerteres Zimmer umgezogen bin. Der nächste Tag war erstmal gestorben und ich hab mich mit einem Taxi in das VIP Krankenhaus fahren lassen, um mir dann natürlich sagen zu lassen, ob ich geisteskrank bin und den ganzen Tag durch die Stadt latsche anstatt den Fuß zu schonen und hochzulegen. Das tat ich dann auch gequälterweise-ich hasse es nämlich, wenn ich von einem Ort weg muss und weiß, da gibt es Dinge, die ich so gern gesehen hätte und es nicht geschafft habe- ein Grund wieder zu kommen!

Abends traf ich mich mit Tabitha, meiner Bekanntschaft aus Siem Reap in Kambodscha und wir gingen bei mir um die Ecke (weiter konnte ich ja nicht) zum Clark Quay, um etwas essen zu gehen. Ich habe mir sagen lassen, dass hier das Ausgehviertel der jungen Leute ist und man sich hier sogar traut in der Öffentlichkeit mal Alkohol zu trinken.
Habe einige interessanten Dinge über Singapur erfahren und das lustigste ist, dass Tabitha im Sommer nach Berlin ziehen wollte und nun bereits auch getan hat, also hatte auch ich ein paar Tipps am Start. Alles in allem ist in Singapur in 3 Tagen einiges schief gegangen (2x im Krankenhaus, kein Geld abholen möglich, Computer kaputt gegangen-sehr bitter!), aber die Stadt ist als Zwischenstopp absolut zu empfehlen. Der sauberste Ort den ich je gesehen habe, gepaart mit einem Multikultiflair und scheisse schwül bis zum Anschlag! Es gibt noch viel viel mehr zu sehen dort, aber ich liste nochmal folgende Empfehlungen auf:
-Little India
-Food Court Lau Pa Sat
-Clark Quay zum Essen und feiern
-Botanischer Garten
– Marina Bay Sands Laser Show
– Orchard Road zum Shoppen
– Helix Brücke
